Alle Jahre wieder staunte ich im Frühling über perfekt geometrisch bemalte Ostereier in meinen Newsfeeds. Bis  ich endlich begriff: Da gibt es einen Roboter für! Ich habe ihn mir besorgt. Und ich kann Euch gleich sagen: Das Zusammenbauen des EggBots war das Einfachste an dieser Geschichte.

Ich arbeite für den Industrie-Digitalisierer erminas, und normalbunte Ostereier passen da thematisch nicht so in die Social-Media-Kanäle. Bei der Suche nach passenden Nerd-Motiven für Ostern stieß ich auf den EggBot von Evil Mad Scientist. Ich habe mir einen gekauft. Allein schon, weil ich den Namen so klasse und das Ansinnen hinter dem familiengeführten Maker-Shop so sympathisch finde: “DIY and open source hardware for art, education and world domination.” Genau, was ich suche.

Bevor ich aber mit Euch in die Geheimnisse der EggBots eintauche, hier die neun Vorstellungen, die ich hatte, bevor der Eggbot bei mir anggekommen ist. Und warum die sich als komplett falsch heraus gestellt haben, das erzähle ich Euch dann darunter.

9 EggBot-Irrtümer von Einsteigern

Die Wahrheit steht immer auf der anderen Seite (mouseover)

EggBot selbst bauen?!?

Das Schwierigste ist sicher, einen EggBot selbst zusammen zu bauen!

Falsch!
Richtig ist:

Den EggBot zu bauen und zum Laufen zu bekommen ist das Einfachste an der ganzen Aktion!

Einfach drucken!

Das Drucken mit dem EggBot ist so einfach wie drucken mit einem Drucker!

Falsch!
Richtig ist:

Du druckst nicht, Du plottest. Das ist ein himmelweiter Unterschied. Plotten is Science.

Feinste Stifte?

Die von EMS empfohlenen Ultra fine Sharpie Stifte passen perfekt!

Falsch!
Richtig ist:

Ultra fine Sharpie Stifte sind für manche Motive auf kleinen Hühnereiern einfach zu fett!

Eierschale wie Papier!

Auf weißen Eiern zu malen ist so, wie auf Papier zu malen.

Falsch!
Richtig ist:

Eierschale ist ziemlich speziell. Und es gibt
bleeding Eggs!

Viele bunte Farben!

Natürlich werde ich alle Eier mehrfarbig gestalten!

Falsch!
Richtig ist:

Sei froh, wenn Du ein paar der Vorlagen für bunte Eier halbwegs hinbekommst.

Hühnereier passen!

Hühnereier in L oder XL haben genau die richtige Größe!

Falsch!
Richtig ist:

In den EggBot passen sie zwar, aber die Vorlagen passen nicht immer…

Eier sind Eier sind Eier!

Da muss ich mir über irgendwelche Unterschiede keine Gedanken machen.

Falsch!
Richtig ist:

Es gibt kleine Eier, große Eier, runde Eier, ovale Eier, bauchige Eier, glatte Eier, raue Eier…

Das geht
ganz fix!

Zwei Wochen vor Ostern reichen locker für fünf perfekte Eier!

Falsch!
Richtig ist:

Ich bin fest davon überzeugt, dass ich auch in zwei Jahren noch über das Beplotten von Eiern lernen kann.

Sie werden perfekt sein

Nur perfekte EggBott-Eier sind auch schöne
EggBot-Eier

Falsch!
Richtig ist:

Sie sind nicht perfekt und sie müssen es auch nicht sein. Schräge Ergebnisse können überraschend schön aussehen.

Warum ein EggBot trotzdem großen Spaß macht

Und außerdem viele Erkenntnisse mit sich bringt

Respekt, Du liest ja noch! Dann gehe ich hier mal ein wenig auf die Details meiner Erkenntnisse ein. Zunächst die große Überraschung zum Einstieg: Jede kann einen EggBot zusammenbauen!

Ich habe meinen EggBot beim deutschen Maker-Shop Watterott bestellt, wo es für alle die dran bleiben auch noch jede Menge Erweiterungen zu erstehen gibt, wie Gravier-Werkzeug oder die Erweiterung für ein Straußen-Ei. Nach 2-3 Werktagen trifft dann das Bauset ein. Die Bauanleitung muss man sich selbst ausdrucken, was ich bei dem Preis ein wenig kniepig finde. Andererseits kann man die 50 Seiten lange Anleitung natürlich auch auf dem Rechner durchgehen und dadurch Papier sparen.

Dafür ist diese Anleitung wirklich Gold wert. Auf jeweils einer Seite ist auf Bildern zu sehen, welche Komponenten im nächsten Schritt benötigt werden. Und auf der nächsten ist dann ganz genau erklärt und bebildert, was in welcher Reihenfolge wo anzubringen ist. Alle Teile passen perfekt und sind oft noch selbst so beschriftet, dass es fast unmöglich ist, einen Fehler zu machen, solange man sich an die Vorgaben hält.

Ich habe mit Pause etwa vier Stunden getüftelt und geschraubt. Aber die Zeit verging wie im Flug, weil die Begeisterung über die sichtbaren Fortschritte mich immer weiter angetrieben haben. Als mein erstes Ei in der Halterung fixiert war und sich das erste Mal der Stift über das Ei bewegte, konnte ich es gar nicht fassen, dass ich in so kurzer Zeit so weit gekommen war. Als ich danach zufrieden schlafen ging, ahnte ich noch nicht, wieviel Tüftelei in den nächsten Tagen vor mir liegen sollte.

Inkscape und StippleGen für den EggBot

Open Source Software und ihre Tücken

Inkscape ist ein Design-Programm, mit dem man die für den EggBot benötigten Vektor-Grafiken (*.svg) aufrufen und selbst herstellen kann, wie zum Beispiel auch mit Adobe Illustrator. Der relevanteste Unterschied für meine Zwecke: Inkscape ist Open Source Software, also kostenlos. Und Evil Mad Scientist hat eine eigene EggBot-Extension für Inkscape entwickelt, über die der Eier-Roboter sich steuern lässt. Alle Informationen und Download-Links dazu gibt es im Evil-Mad-Scientist-Wiki für den EggBot.

Wer – wie ich – noch nicht oder nur wenig mit einem solchen Design-Programm gearbeitet hat, muss sich da erst mal ziemlich reinfuchsen. Aber es gibt jede Menge Tutorials für Inkscape, wenn man damit eigene Vorlagen erstellen möchte. Und auch im Wiki findet sich eine detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Erstellung des ersten eigenen EggBot-Smilies. Zunächst mal sucht man sich aber einfach bereits fertige Vorlagen und macht sich mit der EggBot Control Extension vertraut. Hier gibt es auch ein Video, in dem die ersten Schritte ganz genau erklärt werden. Pro-Tipp: Schaut Euch das an, bevor Ihr anfangt selbst rumzuprobieren. Es spart Zeit und bringt Verständnis. Hab ich für Euch getestet 😉

Fertige Vorlagen bekommt Ihr bei GitHub im EggBot_Examples.zip und zum Beispiel bei Thingiverse, einer Plattform, wo Maker ihre Kreationen zum nachmachen und nachbauen bereit stellen. Wer einen 3D-Drucker hat, der wird hier auch eine Fülle von Vorlagen finden – nicht zuletzt auch für den Bau eigener EggBots oder für An- und Aufbauten.

Und dann gibt es noch den StippleGen. Der von Evil Mad Scientist entwickelte Punkte-Generator macht aus Halbton-Bildern, also zum Beispiel Fotos, Punkt-Bilder oder TSP-Bilder. Je dichter die Punkte, desto dunkler die Bereiche und umgekehrt. Das Look-and-Feel der kleinen Software mit dem großen Arbeitsspeicher-Hunger (der je nach gewünschter Punkte-Auflösung schon mal gut ins Rattern kommen kann) wirkt von der Benutzeroberfläche her ein wenig oldschool. Aber dank dieses Generators ist es eben möglich auch umgewandelte Fotos aufs Ei zu bekommen.

Unter meinen bisherigen Versuchen gibt es leider noch kein richtig gutes Beispiel. Aber mit StippleGen werde ich mich sicher nochmal intensiver auseindersetzen.

Ich hab beide Programme auf einem unserer älteren Windows-Laptops installiert, und da konnte das Generieren eines StippleGen-Bildes schon mal ein paar Minuten in Anspruch nehmen. Aber es funktioniert, und es hat auch was Meditiatives, StippleGen dabei zuzusehen. 😉

Soweit zur Software und zur Theorie.

Die EIgenheiten des Eierplottens

Verzerren, Stiftetausch, raue Schalen und flüssige Kerne

Ich habe erst mal mit einigen der einfarbigen Beispiel-Vorlagen angefangen – nicht zuletzt, weil meine bunten Sharpies noch in der Post waren. Ein schwarzer Ultra-Fine-Sharpie liegt der Packung bei, so dass man direkt loslegen kann, wenn man den EggBot am Rechner angeschlossen hat und die Software installiert ist.

EggBot-Eier

Meine allerersten EggBot-Eier.

Ich bin nicht sicher, was bei meinem allerersten braunen Ei links im Bild passiert ist. Die Vorlage sah anders aus. Ich war trotzdem glücklich zu sehen, dass im Prinzip alles funktioniert, nachdem ich ohne Hilfe das erste mal einen Roboter zusammen gebaut habe.

Das zweite und dritte Test-Ei mussten mehrere Vorlagen-Tests über sich ergehen lassen, die zwar korrekter

EggBot Pen-Motor

Höhe des Stift-Motors

aussahen, aber irgendwas stimmte nicht, weil der Penhalter nicht hoch genug reichte, dafür aber an den schmaleren Stellen gar nicht weit genug hinunter reichte. Dadurch wurden einzelne Elemente mit einem Strich verbunden, oder sie wurden erst gar nicht gemalt.

Also habe ich die Einstellungen in der Inkscape-Extension verändert, aber auch den Pen-Motor mehr auf mittlere Höhe justiert, weil die braunen Eier sehr bauchig waren. Et voilá: Das vierte Ei sah schon ziemlich gut aus.

Vorlagen um etwa 150% zerren

Es gibt ziemlich viele Vorlagen, die eigentlich für kugelrunde Objekte entwickelt wurden, und die auf einem ovalen Ei dann in der Höhe verzerrt geplottet werden. Dazu gibt es die grobe Faustregel: Wenn Du siehst, dass Dein Motiv auf dem Monitor “normal” aussieht, dann verzerre es in der Breite um etwa 150%. Dann sieht es auf dem Ei später richtiger aus.

Ich bin mir auch nicht sicher, warum Spock hier aussieht, wie nach dem Beamen falsch zusammen gesetzt. Es kann sein, dass es bei dieser Vorlage wichtig ist, das Ei mit dem spitzeren Ende nach rechts einzuspannen. Es kann aber auch sein, dass der Pen-Halter sich während des Plottens am Frame gestoßen und dabei verstellt hat.

Bunte Eier und was dafür zu beachten ist

Ehrlich gesagt: Ich glaube ich habe noch kein einziges wirklich korrekt geplottetes buntes Ei hinbekommen. In der Facebook-Gruppe Eggers EggBot Group habe ich dazu den Tipp bekommen, absolut präzise beim Austausch der Stift sein zu müssen. Aber ich habs nicht hinbekommen.

Denn um verschiedene Farben zu plotten, muss für jeden Farblayer der Stift gewechselt werden. Und obwohl ich glaube, da sehr vorsichtig gewesen zu sein: Es ging immer schief. Die Eier sahen trotzdem meist irgendwie gut aus. Nur halt anders.

Raue Schalen, falsche Eier

Bei Thingiverse sieht man häufiger perfekt scharf geplottete Eier, während die eigenen Eier immer irgendwie etwas pockennarbig aussehen. Oder die Farben in den Poren verlaufen, dann spricht man von “Bleeding”. Man kann zwar die Eierschalen mit Essig vorbehandeln (damit gehen die Stempel vorher auch gut weg), aber so perfekt scharf und glatt bekommt man die Plots trotzdem nie hin. Der Grund ist ganz trivial: Die Eier, die man auf Thingiverse sieht, das sind ganz häufig Plastikeier mit babypopoglatter Oberfläche ohne Poren und Pocken 😉

Übrigens: Es empfiehlt sich, die Eier vor dem bemalen auszupusten oder hart zu kochen. Hat ein rohes Ei eine zu dünne Schale, dann landet der Inhalt bei zuviel Druck in der EggBot-Halterung auch schon mal unter dem EggBot. Sorry, da  hab ich leider kein Foto für Euch: Ich musste die Elektronik vor dem Eierglibber retten…

Eigene Vorlagen, von Fotos und von Grafiken

Nun hatte ich mir ja vorgenommen, eigene Vorlagen für unsere Nerd-Eier zu erstellen. Und die sollten ja bunt sein.

Das bedeutet, dass ich mir überlegen musste, wieviele Farben ich verwenden möchte und wieviele Layer ich entsprechend in mein *.svg baue. An dieser Stelle mache ich es kurz: Da bin ich noch dran.

Ich habe zwar schlussendlich unser Logo, ein Revolution Ei und einen PILZ-Taster hinbekommen, aber ich gestehe: Bei zwei Eiern habe ich nur die Konturen in einer Farbe vom EggBot malen lassen. Und die habe ich dann ganz oldschool mit der Hand ausgemalt. Diese Eier sind also Hybride 😉

Eier-Rezepte verzweifelt gesucht!

Eigentlich könnte ich noch jede Menge mehr über meine Erfahrungen mit dem EggBot schreiben, aber inzwischen ist Ostern, und ich würde einfach nicht mehr fertig werden. Wenn Ihr Fragen habt, dann beantworte ich die aber gerne!

Mich beschäftigt gerade auch noch eine ganz andere Frage: WAS mache ich mit 40 (in Worten: VIERZIG!!!1!1!!) hartgekochten Eiern?

Habt Ihr gute Rezeptideen? 😀

40 EggBot-Testeier...

Einige haben wir schon aufgegessen. Aber jetzt brauche ich Eure Rezeptideen…