Leben ohne Internet: Kannst Du Dir das vorstellen? Unser Smartphone ermöglicht Kommunikation in Echtzeit, Orientierung, Shopping, Recherche, Wettervorhersagen, Banking, unbegrenzte Musik, alles Dinge, die nur mit dem Internet möglich sind. Wie war das nochmal, früher?

In den Achtzigern des letzten Jahrhunderts war ich ein Circus-verrücktes Mädel und sobald in der Nähe Circusplakate auftauchten, hing ich am Telefon und rief nacheinander meine Freundinnen Claudia, Sabine und Nicole an. Wir verabredeten uns dann für eine bestimmte Zeit an einem bestimmten Treffpunkt.

Wenn wir den Weg noch nicht kannten, fragten wir vorher unsere Eltern, wie wir auf dem kürzesten Weg in den Nachbarort gelangen würden. Die gaben uns noch mit, dass wir um sieben wieder zuhause sein sollten. Dann radelten wir los zum abgemachten Teffpunkt.

War eine nicht pünktlich dort, warteten wir noch eine Viertelstunde. Wir hätten auch von einer Telefonzelle aus bei ihr zuhause anrufen können, aber wir gingen einfach davon aus, dass es schon irgendeinen guten Grund haben würde, wenn sie nicht aufgetaucht ist. Außerdem hatten wir meistens keine Groschen dabei. Oder nur so viele, wie wir für einen echten Notfall benötigen würden. Es gab zwar schon Geldautomaten (in ganz Deutschland nur ein paar Hundert!), aber wir waren Teenies! Wir hatten keine Girokonten!

Drumbo-Spardose statt Apple Pay

Drumbo ColaniIch hatte eine Elefanten-Spardose, in die mein Opa jeden Sonntag einen Heiermann steckte (das war eine Fünf-Mark-Münze, also etwa 2,56 €). Und wenn diese Spardose, von der ich nicht wusste, dass sie ein echtes Colani-Designer-Stück war, voll war, trug ich sie zur Dresdner Bank und dann kam das Geld auf mein Sparbuch. Das dauerte immer sehr lang, bis die voll war, weil ich doch ab und an mal mithilfe eines Messers Heiermänner aus dem Einwurf-Schlitz schüttelte (den Schlüssel hatte ja meine Mama). Opa war empört, als er es heraus fand.

Also hatten wir eben meist nur ein paar Notgroschen in den Hosentaschen, wenn wir in Nachbarorte radelten. Zum Beispiel nach Düsseldorf zum Stauffenplatz. Das waren so 12 Kilometer. Manchmal aber auch 13 oder 14, weil wir immer mal unterschiedliche Strecken ausprobierten. Auf Stadtpläne haben wir dafür nie geguckt, wir fragten einfach Passanten, wo es lang ging.

Orientierung durch Nachfragen

Und so ging es auch zum Sprödentalplatz in Krefeld (15km) oder zum Zirkusplatz im Duisburg-Meiderich (30 Kilometer). Die Streckenlängen weiß ich heute erst, weil ich einfach in Maps nachgucken kann. Und unseren Eltern hatten wir immer nur gesagt: “Wir fahren zum Zirkus!” Und dann sind wir eben losgefahren.

Einmal, da bin ich mit meiner Freundin Sabine mit dem Zug zum Zirkus gefahren. Der Zirkus war nämlich 80 Kilometer weiter entfernt in Lüdenscheid. Und das wussten wir nur, weil uns die Zirkusleute das gesagt hatten, als sie zwei Monate vorher bei uns gewesen waren. Die konnten wir nämlich nicht einfach anrufen: Die hatten entweder gar kein Telefon, oder auf jedem Platz eine neue Telefonnummer: Festnetz, nur gelegt für den Zeitraum des Gastspiels.

Ticket am Schalter kaufen

Tante Tutti hat uns dann nach Betteln und Quengeln nach Neuss zum Bahnhof gebracht. Ich hab vergessen, wie ich sie dazu bekommen habe und was ich ihr erzählt habe, wo wir hinfahren wollen. Auch das Geld für die Bahntickets muss sie mir geliehen haben. Oder ich hatte Drumbo geschlachtet. Jedenfalls mussten wir am Bahnhof zum Schalter, dort nach Abfahrtszeiten und Verbindung fragen (irgendwie über Hagen), und dann haben wir die Tickets gekauft. Wir sind prima angekommen.

Leider fuhr an diesem Samstag Abend kein Zug zurück von Lüdenscheid nach Hagen, und das hat dann doch für etwas Ärger und viel Telefoniererei von Telefonzellen aus gesorgt. Ich war ja auch erst 14. Aber hey, wir sind am nächsten Tag heil zuhause angekommen.

Orientierungslos, aber glücklich

Okay, wir mussten dann tatsächlich per Anhalter nach Hagen, und der Typ war schon komisch. Und wir hatten wirklich keine Ahnung, ob der uns nun wirklich nach Hagen bringt. Wir kannten uns ja nicht aus, und wir hatten keine Orientierung. Kein Maps. Keine Standortübermittlung. Es hätte einfach niemand gewusst, wo wir sind. Das Ganze nahm ein glückliches Ende: Der Mann  brachte uns bis zum Hagener Bahnhof und setzte uns buchstäblich in den richtigen Zug. Glück gehabt… Komischerweise erinnere ich mich daran, dass im Autoradio Send me an Angel lief.

Musik klauen, ganz analog

Den Song von Real Life kannte ich von Mal Sondocks Hitparade, einer Radiosendung, die Mittwochs ab acht im WDR lief. Mittwochs hockte ich also mit meinem ITT-Kassettenrekorder vor dem Radio meiner Eltern und versuchte, die Songs störungsfrei in ihrer ganzen Länge aufzunehmen. Leider quatschte Moderator Mal (aus genau diesem Grund 😉 ) gegen Ende jedes mal rein und fadete frühzeitig aus. Gut dass es heute Spotify gibt 😉

Hört mal rein in Mal Sondocks Hitparade

 

Lasst uns mal mit einer App in ein Leben ohne Internet reisen

Vorsicht, Zeitreise! Nehmen wir an, Du wirst in ein Leben vor dem Internet katapultiert. In dieser Vergangenheit bist Du integriert ins normale Leben, hast Familie, Freunde, Einkommen. Ein dünner Datenstrom zwischen den Zeiten macht es möglich, dass Du EINE Funktion, EINEN Dienst, EINE App, eine Sache, die es ohne Internet nicht geben würde, auf der anderen Seite der Zeit nutzen könntest. Darüber wärst Du auch mit dem Heute verbunden. Was wäre das für eine App? Schreibt in die Kommentare, welche Ihr gewählt habt, und warum!