1888 setzte sich frühmorgens eine Frau mit ihren beiden Jungs ins Auto und fuhr los. Was heute eine tägliche Selbstverständlichkeit ist, und allmorgendlich zu Staus vor KiTas und Grundschulen führt, war vor 131 Jahren eine Premiere: Die Frau hieß Bertha Benz, und sie begab sich gewissermaßen auf Werbetour. Denn dem Erfinder und Konstrukteur des Patent-Motorwagen Nr. 3, und außerdem Gatten der mutigen Bertha, Carl Benz, dem gingen das Geld und die Luft aus, um an dem genialen Gefährt weiter zu arbeiten. Es hatten sich bis zu diesem Tag keine Investoren dafür gefunden.

Bertha Benz: Von Bühler, Mannheim - Automuseum Dr. Carl Benz, Ladenburg, Gemeinfrei,

Cäcilie Bertha Benz 1871.
Sie lebte von 1849 bis 1944.

Also schnappte sich Bertha, deren Mitgift bereits vom Projekt ihres Gatten verschlungen war, an diesem Augustmorgen im Jahr 1888 ihre beiden Söhne Richard und Eugen, 13 und 15 Jahre alt, und machte sich mit ihnen auf den Weg ins 106 Kilometer entfernte Pforzheim. Um zu beweisen, dass die pferdelose Donnerkutsche ein ernstzunehmendes Transportmittel sei. Und ja, sie kam an. Auch wenn der Apotheker ihr zuerst kein Ligroin verkaufen wollte, das damals als Treibstoff diente. Seither gilt Frau Benz als erste Frau am Steuer. Und als geistige Mutter aller Donnerkutschen.

Kurzfilm zur Bertha-Huldigung am Weltfrauentag

Daimler hat der toughen Bertha nun zum Weltfrauentag einen vierminütigen Kurzfilm gewidmet. Der ist ein durchaus schön erzähltes Stück Daimler-Stolz geworden. Dass von sechs Vorstandsmitgliedern bei Daimler nur zwei weiblich sind, da sehe ich heute mal wohlwollend drüber hinweg. Sind ja immerhin eine mehr, als bei BMW und Volkswagen, und zwei mehr [sic!] als bei Audi

Mit ihrer erfolgreichen Fahrt nach Pforzheim, von wo aus sie drei Tage später den Rückweg antrat, hat sie also Automobilgeschichte geschrieben. Doch wer weiß, was daraus geworden wäre, wenn Carl nicht so eine überzeugte und überzeugende Partnerin an seiner Seite gehabt hätte.

Denn im gleichen Jahr startete in Coburg Andreas Flocken eine Reise mit seinem Flocken-Elektrowagen. Okay, der kam nur 30 Kilometer weit, und die letzten Meter den Hügel hoch zu seiner stromerzeugenden Mühle in Redwitz musste er schieben. Aber das ist wieder eine andere Geschichte…